Die Technologie- und Digitalszene in Reykjavík

Die Technologie- und Digitalszene in Reykjavík

Seit knapp zwei Wochen dürfen wir im POPUP21 die Stadt Reykjavík unser (temporäres) zu Hause nennen. Island und besonders seine Hauptstadt sind dafür bekannt, Digitalität und technologischen Fortschritt in allen Bereichen groß zu schreiben: Von Wifi-Hotspots an öffentlichen Plätzen, die hier seit langem Standard sind, über beliebte und viel genutzte Mobile Applications wie die Wetterapp Veður oder strateo, eine App für öffentliche Verkehrsmittel, bis hin zu flächendeckendem Highspeed-Internet. So sind wir seit Tag eins mit allerlei Apps und digitalen Services konfrontiert, welche fest im isländischen Leben verankert sind. Ob einkaufen, E-Scooter mieten oder sein Feierabendbier bestellen – mit dem Handy kann man auf Insel wirklich alles machen.

Hi there, visitors!

Tatsächlich sind wir schon vor unserer Anreise mit der “digial first” Strategie Reykjavíks, welche großen Wert auf die digitale Transformationen öffentlicher Dienstleistungen legt, in Kontakt gekommen. Für die Einreise auf die Insel mussten wir uns online registrieren und um den Quarantäne-Aufenthalt in unserem Apartment bewerben. All unsere Daten wurden hierbei hinterlegt und per Mail bestätigt. Bei Ankunft haben wir dann nur noch einen Barcode vorgelegt – und schwupps, konnten wir die Einreisekontrolle passieren und unsere Koffer zum PCR-Test weiterschleifen. 

Die Technologie- und Digitalszene Reykjaviks beeindruckt

Island hat außerdem eine eigene COVID-App names Rakning C-19, welche genau wie die Corona-Warn-App Risikobegegnungen erkennt und aktuelle Testergebnisse z.B. vom PCR-Test am Flughafen weiterleitet. Eine tolle App! Jedoch gab es zu Beginn einige Probleme mit deutschen Telefonnummern auf iPhones: ein Bug hat die vollständige Registrierung verhindert, weshalb wir schlussendlich per SMS und E-Mail unsere negativen Testergebnisse erhalten haben. Dies verlief jedoch reibungslos und unsere Testergebnisse lagen innerhalb weniger Stunden vor.

Lieferservice und Cola Brause

Während unserer fünftägigen Isolation auf Island durften wir unser POPUP21 Apartment nur zum Spazierengehen verlassen. Somit waren auch Einkäufe im Supermarkt untersagt. Unser bester Freund in dieser Zeit: Die App Aha.is. Hierbei handelt es sich um einen – von uns viel genutzten und heiß geliebten – Lieferservice, über den man in verschiedenen Supermärkten Lebensmittel und Haushaltswaren bestellen kann. Diese werden dann vor die Haustür geliefert und mit Sicherheitsabstand übergeben. Der einzige Nachteil hierbei: Nur einige Menüpunkte der App werden auf Englisch übersetzt, die Artikelnamen sind ausschließlich auf Isländisch verfügbar und eine fehlende Filterfunktion erschwerte uns zusätzlich die Auswahl. In unserer Quarantäne (und auch jetzt noch) lief deshalb vor allem die Live-Übersetzungs-Funktion von Google Translator heiß: Straßenschilder, Menükarten und Infotafeln können auf diese Weise – mit ein bisschen Fantasie, Geduld und viel Humor – recht gut entziffert werden. Wenn Tikka Massala zu einer gewürzten Oma mit Basmati Daten oder das Holzofenbrot zur Cola Brause wird, ist Kreativität bei der Interpretation gefragt.

Das digitale Leben in Reykjavík

Für den täglichen Kontakt mit den IsländerInnen brauchen wir jedoch keine Übersetzungs-App. Bis auf wenige Ausnahmen sprechen hier alle ein sehr gutes Englisch und helfen bei Verständnisproblemen gerne weiter. So auch bei unserem ersten richtigen Einkauf im Supermarkt um die Ecke. Während der Laden an sich kaum Unterschiede zu denen daheim aufweist, begegnet man an der Kasse keinem/r KassiererIn, sondern einer Selbstbedienungskasse. Hier müssen alle Artikel selbst gescannt werden (*biep*), bevor man sie auf einer großen Waage ablegt. Am Schluss wird der Einkauf mit einer Kreditkarte oder dem Smartphone (yay) bezahlt. Bei unserem ersten Einkauf haben wir auch nur viermal Hilfe von einer Mitarbeiterin benötigt. Also alles in allem ein sehr erfolgreiches Erlebnis 😉 Mit den Einkäufen im Gepäck ging es dann ganz unkompliziert zurück in unser Apartment, denn langes Schlüssel-Suchen ist dank digitalem Einlasscode nicht notwendig.

Kontaktloses Bezahlen ist übrigens nicht nur auf die Supermärkte beschränkt. Vom Bäcker über’s Schwimmbad bis hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln: Auf Island liegt es an der Tagesordnung, das Handy zum Zahlen zu zücken. Bargeld ist hier ein seltener (und ungern gesehener) Gast.

Inspiration bei Jökulá

Unser Coworking Space bei Jökulá bietet uns einen zusätzlichen Deep Dive in die Technologie- und Digitalszene Reykjavíks: Die User Experience Experten erstellen vornehmlich nutzerzentrierte Websites in modernem Design. Hierbei arbeiten sie mit kollaborativen Tools wie Figma, FigJam und Google Workspace, sowie vereinzelt mit Adobe Programmen. In einem eigens eingerichteten Raum können sie zudem Usertests mit Eye-Tracking Equipment inklusive Stress- und Pulserkennung durchführen, um Nutzerverhalten zu analysieren. Schon in der ersten Woche haben wir uns hier eingenistet und das Equipment ausprobiert. Der tägliche Austausch im Coworking Space bietet uns somit die Möglichkeit, viele Inspirationen für den Arbeitsalltag abzuholen und unser Netzwerk in der Digitalszene Reykjavíks zu erweitern. 

Doch nicht nur die Arbeit vor Ort, auch der tägliche Arbeitsweg ist eine Experience für sich: Zur Agentur laufen wir entweder täglich ca. 25 Minuten zu Fuß am Meer entlang oder wir schnappen uns einen der vielen Elektro-Scooter, die an jeder Straßenecke zu finden sind. Passende App öffnen, QR Code scannen und los gehts! In 10 Minuten sind wir bei den User Experience Experten angekommen und starten mit Fahrtwind in den Tag. Zutritt zu unserem Coworking Space erhalten wir durch Karten mit NFC-Chip, welche wir nur an ein Lesegerät neben der Eingangstür halten müssen. Diesen können wir auch in der Mittagspause verwenden, um in der Cafeteria des Hauses unser Mittagessen zu bezahlen.

Und zum Schluss

Nach einem gelungenen Arbeitstag, vielen neuen Eindrücken sowie wertvollen Insights in das digitale Leben und Arbeiten in Reykjavík ist unsere Abendgestaltung sehr abwechslungsreich. Entweder gehen wir auf einen Streifzug durch die vielen kleinen Geschäfte der Hauptstadt, machen Sport oder schließen uns der isländischen Tradition an, sich nach Feierabend zur Happy Hour auf ein Bier zu treffen. Da ein Bier umgerechnet ca. 8 Euro kostet, ist die App Appy Hour sehr beliebt. Sie zeigt einem zuverlässig an, welche Bars vergünstigte Drinks anbieten, wie lange die Happy Hour jeweils dauert und wie teuer die Getränke im Schnitt sind. Was zusätzlich beeindruckt: Letzte Woche haben wir eine Bar besucht, in der das Kassensystem ausgefallen ist. Doch eine digitale Lösung war schnell zur Hand. Wir mussten nur einen QR Code scannen, aus einem Menü unsere Bestellung auswählen und mit Apple Pay bezahlen. Schon waren unsere Drinks zur Hand. Bargeld (von dem wir sowieso noch keines abgehoben hatten) wurde nicht benötigt. 

Reykjavík beeindruckt uns auf ganzer Linie und wir freuen uns auf alles, was uns die kommenden zwei Wochen noch erwartet 🙂 In unserem nächsten Beitrag machen Marie und Isabell mit euch einen Abstecher in die Kunst- und Kulturszene der isländischen Hauptstadt – schaut gerne wieder vorbei!

Ylva, User Experience Architect

Noah, User Experience Architect

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