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Design & Tech in Chiang Mai

Design & Tech in der zweiten Workation Woche

Als UX/UI Designer sind wir ständig auf der Suche nach neuer Inspiration und frischen Denkanstößen. Dementsprechend sind wir voller Neugier und Vorfreude in die Popup Office Workation nach Thailand gestartet. Wie ist das (digitale) Design im öffentlichen Raum? Wie weit ist die Digitalisierung in Thailand? Vor allem auch im Vergleich zu Deutschland? Und wie unterscheidet sich die Arbeitsweise in der Digitalbranche?

Bei sechs Designern im Popup Office mit Designerauge und Begeisterung für Tech jeglicher Art ist ab der ersten Sekunde eine Faszination für die andersartige, kunterbunte Welt Thailands entstanden.

Design & Architektur im öffentlichen Raum

Design in Architektur & Tradition

Den ersten Tag im Popup Office Chiang Mai haben wir für eine kleine Entdeckungstour durch die Stadt genutzt. Denn was wäre ein Aufenthalt in Chiang Mai, ohne einen der unzähligen prachtvollen Tempel zu besuchen? Zugegebenermaßen wird es vermutlich schwer werden, alle über 300 verschiedenen Tempelanlagen zu besichtigen, aber zumindest ein paar haben wir inzwischen schon gesehen. Dabei ist jeder Tempel auf seine eigene Art und Weise wunderschön.

Die meisten Tempelanlagen werden durch eine dicke Schicht aus strahlendem Blattgold verziert. In Kombination mit dem strahlend blauen Himmel entsteht ein wunderbarer Kontrast. Betritt man den Tempel, kann man die aufwendigen Malereien bestaunen. Es sind oftmals Ausschnitte aus dem Leben von Buddha oder detailverliebte Muster zu erkennen.

Design im Straßenbild & öffentlichen Raum

Das Spannungsfeld Kultur zu Design: Im Gegensatz dazu ist das Straßenbild in Chiang Mai eher von unscheinbareren Häusern, dem ein oder anderem Straßenhund sowie einer großen Menge an Kabeln geprägt. Aus „deutscher Sicht“ ist so ein Kabel-Wirrwarr undenkbar - geschweige denn aus der Sicht eines strukturierter UX Designers 🙃. Jedes Haus wird vor allem durch die liebevolle Einrichtung und die Bewohner einzigartig. Ganz nach dem Motto „mehr ist immer besser“ sind überall wilde Kombinationen aus bunten Elementen zu finden.

Das gilt auch für unseren ersten Besuch in einem typischen thailändischen Restaurant: Unter einer zusammengebastelten **Pergola mit Kunststofftischdecke und Monoblocks (einem typischen einfachen Plastikstuhl) wird uns auf Kunststofftellern superleckere Essen serviert. Umgeben sind wir dabei natürlich von vielen einzelnen bunten Schildern und nicht zu vergessen einigen Ventilatoren (die hier wirklich überall sind). Typisch thailändisch und irgendwie auch gemütlich.

Design in Typografie

Eine Herausforderung ist für uns dagegen die thailändische Schrift. Lesen werden wir diese wohl auch nach den vier Wochen nicht können. Aber zumindest können wir schon สวัสดีค่ะ / สวัสดีครับ (sàwàddee kráb / sàwàddee ká), was so viel wie „Guten Tag“, „Hallo“, etc. heißt und ขอบคุณค่ะ / ขอบคุณครับ (kòbkûn kráb / kòbkûn ká) für „Dankeschön“. Damit steht einer erfolgreichen Rod Daeng Fahrt nichts mehr im Wege. Wichtig: ไม่คม (mai pet) bedeutet „nicht scharf“. Dies ist das ein oder andere Mal in Thailand doch sehr essenziell, denn Englisch sprechen hier nur wenige. Digitalität sei dank: Mit der Live-Übersetzungs-Funktion vom Google Translator, ein bisschen Improvisation, Fantasie und Humor funktioniert dann doch alles.

Auch das Erscheinungsbild der thailändischen Schrift ist im Vergleich zur Lateinischen komplett anders – Schriftverhältnis, Größe und Möglichkeit zum Einsatz unterschiedlicher Schnitte, Zeilenabstand und Spationierung – der Einsatz der Typografie hat für uns hier eine ganz andere Wirkung.

Was aber auch ohne Schrift wirkt, ist Visualität: Eine Bildmarke allein, das Logo in Gänze. Formen und Farben von Marken sind so einprägsam, dass es gar keine Wortmarke benötigt. Das machen sich die Thais für Touristen nicht nur bei der Restaurantbestellung zunutze: Egal ob Pepsi, Fanta oder auch Maggi mit thailändischer Beschriftung alles kein Problem.

Design im digitalen Raum

Design differences between Europe and Asia

1. Web Design

Unternehmenspräsentation als Corporate Website, Produkt und Service-Portfolio, Onlineshop & E-Commerce: Aus Nutzersicht setzen wir das Vorhandensein einer Website als Stempel der Seriosität und Mittel der Wahl für Conversion voraus.

Hier in Thailand ist das eher untypisch.

Es gibt nur wenige bis kaum Unternehmenswebsites, die meist eher für Touristen und deren Angebotsbuchung erstellt werden. Stattdessen gilt Facebook als Plattform für quasi fast alles. Facebook, das bei uns fast „tot geglaubte Pferd“? Richtig gelesen, ohne Facebook geht hier nichts. Mit Instagram verhält es sich im übrigen genau wie mit den Websites.

Thai Websites are crazy and a lot of business works only on Facebook.”

Landet man dann doch mal auf einer thailändischen Website, ist sie vor allem eins: Bunt, laut, schrill, überfüllt und traditionell zugleich. So wie eben auch das Straßenbild von Chiang Mai. Die sonst eher schüchternen und zurückhaltenden Thais visualisieren im Design genau das Gegenteil. Aus europäischer Sicht ist diese Art an Design fast unvorstellbar – und zugegebenermaßen teilweise ziemlich amüsant. Design muss in Thailand nicht ästhetisch sein, es muss vorrangig funktional sein. Funktional und dabei überfüllt sowie schrill? Also quasi form follows chaos? Das klingt für den Europäer auch eher unwirklich. Für die ehemalige Kolonie Chinas steht das aber nicht im Widerspruch, ganz im Gegenteil. Thai Digital Design ist in Funktion (UX) und Ästhetik (UI) daher auch sehr ähnlich zu chinesischem Design.

Grab, the Super App for everything

2. App Design

Die von uns meist genutzte und heiß geliebte Grab-App ist in Thailand vermutlich die App für alles und für uns schon nach wenigen Tagen im Alltag nicht mehr wegzudenken. Ursprünglich stammt die App aus Indonesien und wird hauptsächlich im asiatischen Raum verwendet.

Hier im Popup Office fängt die Nutzung schon morgens an – wir wollen gemeinsam ins Office. Offizielle Taxis gibt es hierzulande jedoch kaum. Deshalb die Thai-way-of-doing: Rod Daeng bestellen über die Super-App Grab und schon wenige Minuten später geht die Fahrt los ins Office.

Als Super-App bezeichnet man eine Anwendung, die mehrere Dienste und zusätzlich die Abwicklung von Zahlungen und Finanztransaktionen anbietet. Vor allem in Asien sind diese weit verbreitet, dazu gehören beispielsweise Grab, WeChat oder Alipay.

Grab ist eine typische Super-App – ob Taxi, Lieferung von Lebensmitteln, Paketzustellung oder Essen bestellen, die Anwendung lässt keine Wünsche offen. Gerade beim Essen ist die Auswahl gigantisch und wird in Windeseile nach Hause oder ins Popup Office unserer Partneragentur buzzwoo geliefert. Das europäische Pendant dazu wäre vermutlich eine Mischung aus Lieferheld, Uber und die DHL in einem.

QR-Code, the old new way of paying

Wo wir uns in Deutschland noch einiges abschauen können, ist die für uns eher untypische Bezahlungsmöglichkeit per QR-Code. Das funktioniert hier über verschiedene Bankanbieter oder direkt in den Social Media Apps der meisten Thais.

Hier wird hauptsächlich WeChat und Line (quasi unser WhatsApp) genutzt. Auf eine solche Integration kann man in Deutschland aufgrund von strikten Datenschutzbestimmungen und anderen Vorgaben wohl lange warten. Die Thais sind für Digitalisierung generell offener. Egal, in welcher Altersklasse.

Wenn es um den Einsatz der Bezahlung per QR-Code geht, werden diese von den Thais sehr kreativ und umfangreich eingesetzt – man findet die Codes so gut wie überall. Man kann damit direkt seinen Grab-Fahrer bezahlen, auf den nächtlichen Märkten Essen kaufen oder sogar in Tempeln eine Spende hinterlassen.

Als Tourist oder Ausländer gestaltet sich das jedoch ein wenig komplizierter, da die Zahlung nur mit einer thailändischen SIM-Karte funktioniert oder ein thailändisches Bankkonto benötigt wird, weshalb für uns nur der Deutschen Lieblingszahlart bleibt – Bar.

Design & Tech Exchange im Popup

Ein Ziel unserer Workation: Neue Arbeitseindrücke und jede Menge Inspiration sammeln. Denn als digitale „Change Agents“ für unsere Kunden und Partner leben wir von einer Kultur, die Innovation und die Auseinandersetzung mit neuen, fremden Denkanstößen für das eigene Tun ermöglicht.

Wie in unserem zweiten Popup Office in Island auch suchen wir uns deshalb einen lokalen Partner, um den Arbeitsaustausch bestmöglich zu beflügeln und in die Digitalwelt Thailands einzutauchen. Im Popup Office 3 sind wir zu Gast bei buzzwoo, einer inhabergeführten Digitalagentur mit 45 Mitarbeitern, zwei Hunden und acht Nationalitäten.

Mittels verschiedensten Austauschformate wie Tech-Talks über ein ausgewähltes Projekt oder einen Austausch zwischen den jeweiligen Disziplinen (Design & Tech Exchange) bieten uns viele Möglichkeiten zur Inspiration und Weiterbildung.

Design & Tech Verständnis

Der Schwerpunkt von buzzwoo – und auch bei vielen anderen Digitalagenturen in Thailand – liegt auf der technischen Entwicklung und digitalen Kommunikation/Online-Marketing. Dabei ist auch ein klarer Unterschied zu 21TORR zu erkennen: Von den 45 Mitarbeiter sind nur drei Designer, bei denen der Fokus eher auf UI Design liegt. Wir sind dagegen aktuell insgesamt 25 UX Architekten und UI Designer und legen viel Wert auf die Kreuzung der beiden Disziplinen. Berkant, unser UX Engineer im Popup Office, ist beispielsweise schon durch seine Job Description direkt auf der Design & Tech Kreuzung. Unser Motto: Gleichwertigkeit in der Gewichtung aus Design und Tech, denn wir verbinden Strategie, Design und Technologie zu innovativen Lösungen mit echtem Impact.

Arbeitsmodelle & Prozesse: Agil (Srcum) vs. Wasserfall

Arbeitsweise in Design & Tech

Dies hat auch Auswirkungen auf die Arbeitsweise. In unserem 21TORR-Alltag ist agiles Arbeiten – beispielsweise nach Scrum – ein gesetzter Bestandteil. Team-Rollen wie Product Owner, Scrum Master, Development Team etc. sind unabdingbar. Hier wird dagegen fast ausschließlich im Wasserfall-Modell gearbeitet.

Tools, Tools, Tools

Auch im „Tooling“ gibt es daher Unterschiede, denn auf Kollaboration ausgerichtete Tools wie Figma, Abstract (Version Control für Designer), Miro etc. sind hier weniger vonnöten.

Dafür werden auf DEV Seite durchaus ähnliche Tools verwendet. Für Version Control wird Gitlab, als Entwicklungsumgebung VS Code und als Webframework Vue.js verwendet.

App Development im Speziellen

Einen weiteren signifikanten Unterschied gibt es auch bei der Entwicklung von Apps. Hier setzt man vor allem auf cross platform app development und somit auch auf entsprechende Frameworks. Bei 21TORR dagegen legen wir viel Wert auf die Entwicklung nativer Applikationslösungen für die jeweilige Plattform (Apple und Google-Plattformen), damit sich Apps wie ein „native citizen“ auf dem jeweiligen Gerät anfühlen. In Thailand dagegen: not necessarily necessary.

Zusammengefasst: Chiang Mai und die Zusammenarbeit mit buzzwoo bietet uns die Möglichkeit, eine für uns zum Teil neue und andere Welt kennenzulernen und diese gegen unsere Erfahrungen aus dem Lebens- und Arbeitsalltag zu Hause zu halten.

Eine Welt, die uns beeindruckt.

Wir sind jetzt schon gespannt, was wir in den nächsten zwei Wochen noch alles entdecken und lernen dürfen. Seid auch ihr gespannt, im nächsten Beitrag einen noch tieferen Einblick in das Land und die wundervollen Menschen hier zu bekommen.

Thai Design & Tech Principles
  • Sometimes no design is design
  • Super, super, superapps
  • Keep it wild. It’ll work.
  • Platform nativeness is overrated